25 Geschichten - Teil von 13 von Stephan B.

"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen", schrieb der deutsche Dichter Matthias Claudius schon im 18. Jahrhundert. Und als Admira-Fan gab es in der ersten Hälfte der 1990er viele Möglichkeiten zu reisen, also gibt es von damals auch ziemlich viel zu erzählen. Von 1989 bis 1994 waren Europacup-Teilnahmen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und dazu kam damals die Mannschaft noch einige Mal ziemlich weit.

 

Zur meiner Schande war ich in diesen meinen sicherlich intensivsten Fanjahren nicht immer auswärts dabei. Aber Reisen war im Vergleich zu heute vor 30 Jahren noch ziemlich teuer, für einen Studenten wie mich oft zu teuer. Billig-Fluglinien gab es noch keine, Zugfahrten nach Dänemark oder noch weiter konnte sich auch nur wer leisten, der bei der ÖBB arbeitete. Und für organisierte Busreisen waren wir meist zu wenige.

 

Aber es sind dann doch einige Auswärtsfahrten geworden. Von der legendären Autofahrt nach Szeged am 1. November 1989 zum Spiel gegen Ferencvaros im Golf meines Volksschulfreundes Matthias Schwaiger, der mehr Motoröl als Benzin geschluckt hat, bis zu meiner letzten Auslands-Fanreise mit der Admira per Bahn im Dezember 1994 zum völlig vernebelten Spiel gegen Juventus nach Turin waren es aber doch insgesamt acht.

 

Da gab es noch einen von meinem Vater spendierten Flug nach Belgien (Anderlecht 1990), eine Zugsfahrt in die Schweiz (Luzern 1990), zwei Busfahrten nach Italien (Bologna 1990) und Polen (Zabrze 1994) sowie zwei Autofahrten nach Belgien (Antwerpen 1992) und Frankreich (Cannes 1994).

 

Aber da es ja in der Serie "25 Geschichten - Fanatics erzählen" um die Südstadt Fanatics gehen soll, werde ich ausführlich über nur jene Reise erzählen, die für die Gründung des größten Admira-Fanklubs die mit Sicherheit wichtigste war, obwohl es natürlich zu jeder einzelnen gute Geschichten geben würde.

 

Denn wer weiß, ob Matthias, ich und unsere damaligen Südstadt-Weggefährten, die als lose Gruppe immer im Stadion-Freigelände am selben Platz vom Spielfeld aus gesehen links neben der legendären Spieluhr gestanden waren, 1992 überhaupt den "Black and White Supporters Club" gegründet hätten, wenn wir nicht vor fast 30 Jahren in Luzern gewesen wären.

Gegengeradefrüher
Die Gegengerade (Stadion-Freigelände) war der erste Sammelplatz der aktiven Admira-Fans

Der Oktober 1990 ist schon ziemlich lange her, an jedes Detail der Reise kann ich mich nicht mehr erinnern, an einige aber schon. Warum es letztlich eine Zugfahrt in die Schweiz geworden ist, weiß ich nicht mehr. Ich nehme an, dass diese von Gerald M. organisiert wurde. Das liegt irgendwie auf der Hand, nachdem er ja schon damals bei der ÖBB gearbeitet hat.

 

Er und Christian B., also die komplette Südfront, waren damals die reisefreudigsten unter uns Admira-Fans. Dass sie 1987 nach einer tagelangen Zugsfahrt zu einem UEFA-Cup-Spiel im finnischen Turku direkt zu einem Bundesliga-Spiel nach Graz gefahren sind, nötigt mir noch heute allergrößten Respekt ab.

 

Es werden so zehn bis zwölf Fans gewesen sein, die sich am Abend des 23. Oktober 1990 am Wiener Westbahnhof getroffen haben, um in den Nachtzug nach Zürich zu steigen. Ich bilde mir ein, dass drei Abteile für uns reserviert waren. In einem war jedenfalls die Wegzehrung gelagert. Und die bestand eigentlich nur aus Bier. Matthias und ich haben damals nicht mitgesoffen. Wir wollten uns ja vor dem Hinspiel der 2. UEFA-Cup-Runde auch noch Luzern anschauen.

 

Das haben wir dann auch gemacht. Es war ein schöner Herbsttag in der wunderschönen mittelalterlichen Stadt am Vierwaldstädtersee. Wir haben wirklich viel gesehen. Als mich Matthias am Nachmittag dann aber auch noch in das Schweizer Verkehrsmuseum geschleppt hat, waren meine Beine schon ziemlich müde und mein Kopf nach einer schlaflosen Nacht im Zug ziemlich voll.

 

Vielleicht kann ich mich auch deshalb nur mehr in Bruchstücken an das Spiel erinnern. Das Stadion Allmend war zwar nicht ganz voll, aber doch gut besucht. 9.500 Zuschauer sollen es gewesen sein. Die Stimmung war jedenfalls sehr gut. Luzern spielte sehr druckvoll. Unsere von Thomas Parits betreute Mannschaft hielt aber gut dagegen. Und der für Olaf Marschall früh eingewechselte Michael Binder bewies mit seinem Tor zum 1:0-Sieg, dass er besonders im Europacup gerne traf.

EintrittskarteLuzern
Die Eintrittskarte vom UEFA-Cup Spiel in Luzern

Nach dem Spiel blieben mir zwei Begegnungen in Erinnerung. Ein ORF-Reporter, wer das war, weiß ich nicht mehr, erzählte uns, dass der FC Tirol, betreut von Trainer-Legende Ernst Happel, gerade bei Real Madrid untergeht. Das interessierte mich aber damals wenig, nachdem meine Mannschaft ja gewonnen hatte und vor dem Aufstieg ins Achtelfinale des UEFA-Cup stand.

 

Die andere Begegnung war im Nachhinein gesehen auch viel wichtiger. Plötzlich standen zwei oder vielleicht drei Fans von Xamax Neuchatel vor Matthias und mir und sprachen uns an. Sie seien die Gründer des größten Fanklubs des Vereins und würden gerne mit uns eine Fanklub-Freundschaft aufbauen. Ich weiß noch, dass ich ziemlich ins Stottern kam. Und wer mich kennt, weiß, dass mir das sehr, sehr selten passiert.

 

Irgendwie dürfte ich dann gestammelt haben, dass wir bei der Admira so etwas gar nicht in zumindest organisierter Form haben würden. Wirklich ganz verstanden haben dürften uns die Xamax-Fans nicht, denn sie übergaben uns dazu noch Visitenkarten ihres Fanklubs im Xamax-Design. Das war mir dann schon echt peinlich, weil wir so etwas natürlich nicht hatten.

 

Auf der langen Rückfahrt, Matthias und ich verbrachten die Nacht in einem Aufenthaltsraum im Züricher Hauptbahnhof (das ist eine lustige, aber eine andere Geschichte), wurde über die Begegnung jedenfalls gesprochen und wir kamen dann wohl auch zur Erkenntnis, dass auch wir bei der Admira einen offiziellen Fanklub brauchen würden.

 

Es hat dann zwar noch einige Zeit gedauert, bis es wirklich dazu kam. Wie und wann es dann soweit war, hat aber Matthias eh schon im Prolog der Serie erzielt. Mit den Xamax-Fans sind wir danach meines Wissens nie mehr in Kontakt getreten. Warum, weiß ich eigentlich gar nicht. Das ist in Rückblick gesehen auch irgendwie schade, nachdem sie jedenfalls für mich so etwas wie die Antriebsfeder zur Gründung des "Black and White Supporters Club" waren...

 

Stephan

 

 

 

In der nächsten Ausgabe:

Aufgewachsen in der Südstadt, nie weit weg vom Stadion gewohnt, und mit Admiranern ganz Österreich und halb Europa bereist!

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