25 Geschichten - Teil von 12 von Meta

Angefangen hat meine Leidenschaft für den Sport als ich noch nicht einmal wusste, was es alles bedeutet ein Fan zu sein. In der Volksschule habe ich begonnen mich mit Freunden für Fußball zu interessieren. 1994 spielte Austria Salzburg im UEFA-Cup Finale, im Sommer fand in den USA die Weltmeisterschaft statt und mit 8 Jahren war mir es das erste Mal bewusst welches Interesse mit dem Sport verbunden ist. Die Wiese nebenan reichte bald nicht länger aus um in der Liga der großen Stadien mitzuspielen. Kurze Zeit später fand ich mich in den Katakomben des Mödlinger Stadions wieder und hatte zum ersten Mal das bordeauxrote Plastiktrikot des VfB Mödlings an. Was ich damals ebenfalls noch nicht wusste war, dass mich die Rückennummer 8 mein Leben lang begleiten wird. Irgendwie hab ich es auch geschafft in diesem Spiel mit einem Tor meinen damaligen Trainer zu überzeugen, worauf ich für viele Jahre jedes Wochenende am Fußballplatz verbringen sollte. Drei Jahre lang war die Admira eigentlich nur der "große Bruder" aus der Nachbarortschaft und nicht wirklich in meinem Blickfeld, dann kam die Fusion...

Das legendäre Trikot meiner fussballerischen Anfänge

Bereits noch zu Vfb Mödling-Zeiten besuchte ich die Heimspiele, teilweise natürlich auch als Balljunge, nach der Fusion auch mit Admira Beteiligung die das Stadion für seine Heimspiele nutzte. Meine aktive Karriere als Topstürmer musste ich aufgrund schulischer "Priorität" vorerst auf Eis legen, die Begeisterung für (mittlerweile) VfB Admira Wacker Mödling blieb aber ungebrochen und so radelte ich jedes zweite Wochenende in die Duursmagasse und verprasste dort mein Taschengeld für den Eintritt (20 Schilling für die Kinderkarte) am Eingang. Nicht nur die Admira war ins Mödlinger Stadion gezogen, sondern auch die Fans. Genauer gesagt die Südstadt Fanatics! Wie Manfred bereits geschrieben hat, hat mich das Spektakel abseits des Rasens bald mehr begeistert als das Spiel.

 

Rauchschwaden, Bengalos und ein bunter Haufen verrückter Menschen haben mich nicht mehr los gelassen. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga bin ich selbstverständlich mit in die Südstadt zurück übersiedelt und fand mich auf einmal selbst mit in dem Haufen der Verrückten aus der Nordkurve. Dort war es allen voran Alex Fasching - der den meisten unter Carnivale bekannt ist - der mich sehr rasch in diese Gruppe integriert hat. Damals war ich noch nicht ganz so groß und ausgewachsen wie ich es heute bin und vermutlich auch geschuldet der Tatsache, dass Alex recht groß war gab er mir den Spitznamen "Meta" (in Anlehnung an Laufmeter) welchen ich noch heute voller Stolz trage. Auch in Gedanken an Alex, der viel zu früh aus unserer Mitte ging und nicht nur im Fanclub eine große Lücke hinterließ - schließlich war er im Laufe der Jahre ein Vorbild und guter Freund für mich geworden...

 

Das erste richtige Highlight für mich als 15jährigen im Jahr 2002 war der Besuch des Wiener Stadthallenturniers. Es war dann doch etwas anders als erwartet, war ich die Jahre zuvor immer mit meinem Großvater in der Halle und nicht wie 2002 das erste Mal mit dem Fanclub! Nicht nur das ich das erste Mal auch nach den Spielen mit "den großen Jungs" unterwegs war und wir gemeinsam das Bermuda Dreieck unsicher gemacht haben, sondern ich habe auch zum ersten Mal die Schattenseiten der Fankurven miterlebt. Nachdem wir Rapid im Halbfinale vernichtend mit einem Golden Goal geschlagen hatten, wollten uns deren Fans einen Besuch abstatten was aber durch die Exekutive verhindert wurde und wir nach der Siegerehrung an diesem Tag quer über das "heilige Parkett" zum Hinterausgang und zur U-Bahn eskortiert wurden. Angefeuert vom zweiten Turnierplatz, den sportlichen Sieg über Rapid und der Action nach dem Turnier ging es wieder ins New Country um gebührend anzustossen. Ich erinnere mich nur mehr dunkel, mein g'spritzter Apfelsaft dürfte schon etwas drüber gewesen sein. Was ein Cider ist, habe ich erst in der Zeit danach gelernt...

Die folgenden Jahre waren sportlich und wirtschaftlich nicht gerade die Glanzzeit der Admira, das wurde auch nicht besser mit vermeintlich finanzstarker Einmischung aus dem persischen Raum. Zumindest abseits des Rasens hatten wir ordentlich Spaß, obwohl Galgenhumor eher zutrifft. Positiv zu sehen ist auf alle Fälle, dass die Kurve trotz irgendwelchen Ideen des Vereins gut zusammengehalten hat und ich mich immer gefreut habe das ein oder andere Bier mit den Jungs zu trinken.

 

Besonders die Jahre 2004 und 2005 sind mir in Erinnerung geblieben, denn nicht nur bei der Admira war einiges los. Generell hat sich die Fanszene in Österreich mit zahlreichen Dingen beschäftigt. "Die Kurve gehört uns!" und die "Initiative weiss-violett" waren zwei Projekte die die Kurven über die eigenen Vereinsfarben hinweg verbunden hat. Mir kommt vor, als wäre das die Zeit des Sprunges zwischen Tradition und Kommerzialisierung des Fußballs gewesen. Damals habe ich das Ganze natürlich anders gesehen als heute, aber in der Zeit hat sich echt einiges etwickelt dass bis heute besteht. Auch die Solidarisierung der Fangruppen in Österreich zu gewissen Themen habe ich toll gefunden, und finde sie bis heute immer noch toll! Die Kurven sind kreativ geworden, es hat sich wieder was getan...

 

Und ein besonderes Highlight des Jahres war sicher das Spiel daheim gegen Wacker Innsbruck wo es mit dem Schlusspfiff zu einer leichten Meinungsverschiedenheit gekommen ist. Die Stimmung in der Kurve war mehr als angespannt, viele haben schon mit einem unangenehmen Aufeinandertreffen mit den Innsbrucker Fans gerechnet. Beide Fanlager waren eigentlich auch schon über den Zaun aufs Spielfeld geklettert, die Tiroler wurden dann aber doch von der Polizei zurückgehalten und somit blieb eine direkte Konfrontation aus.

Mit der Zeit verabschiedeten sich diverse Versuche seitens der Vereinsführung wieder, es ging sportlich wieder bergauf. Das Highlight war sicher auch das Cup-Finale in Mattersburg wo eine mehr als gut gefüllte Kurve ordentlich Stimmung und Party machte. Seit damals besteht auch die wunderbare Tradition die Spiele in Mattersburg mit dem Zug zu besuchen, wobei stets die örtlichen Lokale auch ein bisschen Fanatics-Stimmung mitbekommen.

 

Das nächste überragende Highlight ließ noch zwei Jahre auf sich warten, allerdings war es der Anfang von einer unheimlich geilen Zeit. Am 20. Mai 2011 fand das Spiel in der Südstadt gegen Austria Lustenau statt, sollten wir gewinnen und Altach zeitgleich verlieren sind wir vorzeitig Meister der zweiten Liga und steigen auf in die Bundesliga auf. Die Kurve war brechend voll und das Spiel hat auch ganz gut angefangen. Nach der 1:0 Führung bis zu Halbzeitpause mussten wir aber innerhalb kurzer Zeit 3 Gegentreffer wegstecken. Es schien schon irgendwie alles dahin, bis eine wahnsinnige Aufholjagd began. 2:3 DTFG, 3:3 Schwab, 4:3 Jezek, 5:3 Sulimani. Der restliche Abend verschwindet in einem sanften Nebel, es war definitv (bis jetzt) das geilste Spiel das ich miterleben durfte!

 

Aber schaut euch die letzten 10 Minuten gerne selber noch einmal an - Gänsehautgarantie!

Das letzte Spiel der Saison 2010/2011 fand auf der Hohen Warte statt, auch daran werden sich die meisten noch erinnern können. Ich habe dieses spannende und nervenaufreibende 0:0 nur über den Liveticker verfolgen können, beruflich hat es mich an diesem Tag nach Tirol getrieben... Aber egal, Meister und Aufstieg in die Bundesliga!

 

In den letzten Runden der zweiten Liga und mit dem Aufstieg war natürlich auf das Interesse in der Region wieder massiv gestiegen, die Südstadt war wieder absolut top besucht und das spürte man auch richtig. Immer mehr wollten die Admira sehen, immer mehr Leute auf einmal in der Kurve. Für die Stimmung und Unterstützung natürlich grandios, es wurden große Choreos präsentiert und ordentlich Gas gegeben. Untereinander wurden dann diverse Aufgaben aufgeteilt, eine Partie kümmerte sich um die Vorbereitung der Choreo's und andere verteilten kleinere und größere Hilfsmittel wie Fahnen und Doppelhalter. Für mich blieb wenig über außer das Ganze etwas zu koordinieren und zu "leiten".

WN Auswärts
Vom Vorsängerpult aus wird der Auswärtsblock koordiniert

Anscheinend hat das der Kurve gefallen und so hab ich mich nach oftmaligen Auffordern doch dazu überreden lassen eine Art Vorsänger zu sein. Ich selbst war eigentlich nicht so von mir überzeugt, es dürfte dann aber doch Anklang gefunden haben dass ich mit meiner engelsgleichen Stimme den Ton angebe. Mit der Zeit hab ich dann auch Spaß daran gefunden und ich durfte das einige Jahre lang machen. Auch wenn ich nicht 90 Minuten lang jedes Spiel den Mund offen hatte, hin und wieder konnte ich aber doch den Anstoss zu einigen Chants geben und weiterhin Choreos koordinieren die dankenswerter Weise in mühevoller Kleinarbeit und mit viel Liebe zum Detail entstanden.

Bereits bei der Fahrt nach Salzburg wurde ordentlich gefeiert und sich auf das Spiel eingestimmt

 

Die Aufstiegssaison hat zwar mit einem Geisterspiel begonnen, aber endete in Ekstase! Nach einer geilen Saison als Aufsteiger - oft unterschätzt - und 8 Runden als Tabellenführer konnten wir am letzten Spieltag trotz Niederlage in Salzburg, aber gleichzeitiger Niederlage von Austria Wien den dritten Tabellenrang behaupten.

 

ADMIRA INTERNATIONAL! Die Reise führte über Lettland nach Litauen wo im strömenden Regen Žalgiris Vilnius auf uns wartete. Über 120 Leute machten sich auf und die Jungs zu unterstützen, manche mit dem Taxi von Riga (Lettland) aus andere mit dem Auto durch Weißrussland. Der erste Abend stand voll und ganz im Zeichen der Kulturverständigung und so wurde nach einem ausgiebigen Dinée im Nachtclub das Tanzbein zu "Tribünenparty" geschwungen. Nach dem sämtliche Herren und Damen wieder aufgefunden wurden ging es quer durch die Stadt zum ersten internationalen Spiel von Admira seit 1994. Das Wetter war scheisse, das Bier gut und die Stimmung spitze!

Auswärts ein Unentschieden geholt, also galt es daheim nachzulegen. In schier unendlicher Kleinarbeit wurden weit über 5.000 (fünftausend!) Fahnen für die Choreo beim Heimspiel angefertigt und auf der Haupttribüne verteilt. Das Spiel verlief ganz unseren Vorstellungen entsprechend und wir konnten mit einem klaren 5:1 Heimerfolg den Aufstieg in die nächste Runde schaffen. Dort wartete mit Sparta Prag ein weitaus stärkerer Gegner auf uns, an dem wir auch schlussendlich scheiterten.

Für mich war diese Zeit natürlich wirklich eine der geilsten, Admira International hat es für mich ja vorher nicht gegeben!

Ein paar Jahre später ging es dann wieder in die Qualifikation für die Europa League, als besonderes Schmankerl stand für mich das erste Mal der ehemalige Ostblock mit seinen berüchtigten Fans am Programm. Zum Glück ist uns unser guter Ruf bis nach Sofia voraus geeilt, somit hatten wir grundsätzlich keine Probleme in Bulgarien. Hin und wieder war zwar der ein oder andere schiefe Blick da, eher wohl auch aus Verwunderung. Sogar den Shop der CSKA Ultras konnten wir problemlos besuchen, zu viel sprechen wollte man mit uns aber dann doch nicht. Sportlich gesehen war es weniger erfolgreich, aber allemal wieder ein grandioser Ausflug der Südstadt Fanatics!

Über die Jahre entstanden auch weitläufigere Bekanntschaften und Freundschaften, mich freut es besonders immer wieder die selben coolen Leute in Wien oder Ried zu besuchen. Gemeinsame Besuche der Länderspiele mit den Jungs, sogar bei der Europameisterschaft 2016 hat man sich in Frankreich getroffen und das ein oder andere Bier mit einander getrunken. Immer wieder, auch wenn manchmal etwas mehr Zeit dazwischen liegt, trifft man sich auf Spielen oder abseits des Rasens und tauscht sich aus. Auch das ist ein Grund, warum es mir einfach so einen wahnsinnigen Spaß macht Teil dieser geilen Truppe zu sein!

Mehr als 20 Jahre, den größte Teil meines Lebens habe ich mit den Fanatics verbracht und bestimmt wird mich der Fanclub bis an mein Lebensende begleiten. Ich habe in den Jahren nicht nur gute Zeiten erlebt, aber auch weniger berauschende Momente gehören dazu. Der Zusammenhalt, die Freundschaft und Verbundenheit weit über Grenzen hinaus spiegeln das wieder wofür die Fanatics stehen. Mehr Familie als nur flüchtige Bekannte die in einer Menge untergehen! Das waren jetzt nur ein paar Highlights aus meiner Zeit, unzählige und auch schon wieder vergessene Erlebnisse und Abenteuer gibt es noch, die aber vermutlich diesen Rahmen sprengen würden.

 

Ich möchte auch diese Möglichkeit nutzen um mich bei allen für die jahrzentelange Freundschaft zu bedanken,

für alles was wir gemeinsam erlebt und erreicht haben!

Wir ham' noch lange nicht genug!

 

Meta

 

 

In der nächsten Ausgabe:

Warum Xamax Neuchatel für die Südstadt Fanatics so wichtig ist...

 

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