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Den Ball flach halten

Am vergangenen Donnerstag fand eine weitere Klubkonferenz der Bundesliga statt. Bereits im Vorfeld gab deren und Admira Wackers Präsident Philip Thonhauser ein Interview über den großen Teich. Es lohnt sich jedenfalls, dieses anzuhören. Vom in der Vorwoche thematisierten Aufstieg und Aufschwung kann aktuell allerdings keine Rede sein: Aufsteiger gäbe es nur, wenn die ersten beiden Ligen zu Ende gespielt würden, die 1. Bundesliga wird keinesfalls aufgestockt. Das wollten die beiden Erstplatzierten der zweiten Liga, Ried und Klagenfurt. Sie behalten sich deshalb rechtliche Schritte vor. Betreff der Erfolgsaussichten eventueller Klagen kann man skeptisch sein. Jedenfalls würden solche gehörig an weiteren derzeit ohnehin nicht zu knappen Turbulenzen mit sich bringen.

Aufbruchsstimmung nach überstandenen Krieg und schwerer Krankheit zeigte sich in Wien durch Errichtung des neuen Wacker-Platzes

Auch in anderen europäischen Ligen haben etliche Vereine bereits den Rechtsweg angedroht, neben Auf- oder Abstiegen geht es auch um Europacupplätze. In Österreich wurde jedenfalls der so genannte "Pleiteparagraf" gekippt – das heißt, ein insolventer Klub müsste nicht in die dritte Liga absteigen. Sehr wohl wird ein solcher Fall aber mit 6 Punkten Abzug für die nächste Meisterschaft, einem Einkaufsverbot sowie der Sperre für einen möglichen Europacupstart sanktioniert. Drohen könnte ein solches Szenario vielen Klubs, deshalb möchte die Bundesliga einen Kredit für ihre Vereine aufnehmen. So geschah dies bereits in Frankreich, als Bürge dafür steht der Staat gerade. 

 

Falls die Schulden nicht getilgt werden können, müsste also die Allgemeinheit dafür aufkommen. Das ist meiner Meinung nach nicht richtig – leben viele Klubs doch derzeit via Kurzarbeit der Vereinsangestellten ohnehin schon teilweise auf Staatskosten. Darüber hinaus wären Transfers, für die dann Geld ausgegeben würde, auch nicht korrekt. Aber davon ist man ohnehin noch weit entfernt, außer den angesprochenen Punkten war das Ergebnis der Konferenz mit BM Anschober wenig konkret. Von positiven Signalen war die Rede, der Bereitschaft zu weiteren Gesprächen und der Hoffnung, dass ab kommendem Freitag das Mannschaftstraining gestartet werden darf. Man könnte auch sagen, dass die Verantwortlichen der Staatspitze den Ball flach halten möchten.

 

Damit würde jedenfalls die Wiederaufnahme des Ligabetriebs mit Ende des Monats möglich sein, sollten keine weiteren Hindernisse als der Konflikt über die Quarantäne-Maßnahmen bei einem positiven Fall auftauchen. Das könnten die mit Ende Juni auslaufenden Verträge vieler Spieler sein – die Saison würde aber noch darüber hinaus dauern. Nach der in Bezug auf die weitere Vorgangsweise wenig befriedigende Konferenz war tags darauf, am Freitag, Abgabetermin für die überarbeiteten, der Situation angepassten Lizenzunterlagen.

 

Die Unzufriedenheit insgesamt rührt auch daher, dass Deutschland (Start am 16. Mai) und die Schweiz (8. Juni) schon viel weiter sind. Ganz im Gegenteil zu Holland, dort wurde bekanntlich bereits abgebrochen. Darüber hinaus wurde nun publik, dass vermutlich erst nächstes Jahr im Sommer wieder Spiele mit Zusehern stattfinden werden können – nämlich erst dann, wenn es Impfstoff gegen Covid 19 geben wird.

Generell gegen Geisterspiele hat sich ein Großteil von Österreichs Fanszenen ausgesprochen – die Stellungnahme dazu ist hier zu lesen falls der Facebook-Eintrag nicht sichtbar ist. Das ist alles durchaus verständlich, man sollte aber versuchen, den Ball flach zu halten. Jedenfalls kann ich feststellen – bei aller Liebe zum Fußball und zu Admira Wacker – momentan ist es gewiss kein Nachteil, ein Leben neben jenem als Fan zu haben. Viel schlimmer trifft die Krise den Frauen-, Amateur- und Nachwuchsfußball. Dort gibt es aktuell gar keine Perspektiven, wie es weitergehen wird. Es kann nur spekuliert werden, wie auch in den oberen Spielklassen Europas etwa über die mögliche Umstellung auf Jahresmeisterschaften oder den möglichen Start in die nächste Saison ab September.

Admira Wacker trainiert derzeit wie alle Bundesligavereine in Kleingruppen mit Sicherheitsabstand

In "normalen Zeiten" hätten die Südstädter Fans am vergangenen Samstag das NÖ-Derby gegen den SKN besucht, am kommenden Samstag würde das Play-Off mit dem Spiel in Wattens enden. Wann es wieder möglich sein wird, sein Team vor Ort zu supporten, steht aktuell in den Sternen. Fix ist jedenfalls, dass Admira Wacker die Option auf Goalgetter Sinan Bakis gezogen hat. Mit Olaf Marschall ist ein Goalgetter aus der Vergangenheit hier zu bewundern. Noch weiter in die Vergangenheit möchte ich dann nächste Woche tauchen, das Rad der Zeit um knapp hundert Jahre zurück drehen: 1924/25 stand in Österreich die erste Profisaison auf dem Programm – wobei die Bezeichnung "professionell" für die Spieler und die Klubs wenig Ähnlichkeit mit den Gegebenheiten der heutigen Zeit hatte.

 

Forza den Ball flach halten! Forza Südstadt Fanatics! Forza Admira Wacker! (ms)

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