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Beine und Steine

Nach dem ersten Saisonsieg ist die Admira wieder da, die Fans der Südstädter genießen diesen Erfolg in der Ligapause. Der Präsident von Admira Wacker und der Bundesliga, Philip Thonhauser, ließ zuletzt in einigen Interviews aufhorchen. Wie immer kompetent und sympathisch bezog er Stellung zu den Themen "Beine und Steine". Sprich sowohl zum Sportlichen, in das er sich aber grundsätzlich nicht einmischt, und zum Stadion. Wobei ich nicht in allen Punkten mit ihm d’accord gehe, etwa in puncto Bewertung des Kaders. In Bezug darauf meinte er, der aktuelle Kader wäre der beste in seiner Amtszeit. Positives Denken in allen Ehren, auch ich zähle mich zu dieser Fraktion, aber die Ränge 4,6 und 5 in den Saisonen von 2015-18 sprechen da eine andere Sprache. Obwohl ich mich gerne eines Besseren belehren lasse, im aktuellen Kader noch viel Potential sehe. Welches aber auch bewiesen werden muss. 

 

Was die "Steine" betrifft, äußerte der Präsident kurzfristig-bodenständige wie auch längerfristig-visionäre Ideen. Nämlich einerseits den dringenden Sanierungsbedarf der Toilettenanlagen und der Büffets. Da besteht Handlungsbedarf, getan wurde auch schon davor einiges. Etwa die Verlegung der Rasenheizung, die Komplettrenovierung des VIP-Bereichs und die Errichtung eines Zauns in der Kurve. Wobei es ein halb so hoher auch getan hätte. Weiters die – nennen wir es kreative- von der BL geforderte Überdachung des Auswärtssektors, sprich die Verlegung auf die Haupttribüne, die nicht jedem gefällt, aber wohl die kostengünstigste Variante war. Geld wächst eben nicht auf Bäumen, das weiß man besonders bei Admira Wacker sehr gut. Vor allem, wenn es aktuell um das sportliche Überleben geht, in diesem Bereich Konsolidierung und Entwicklung absolut erstrangig sind.

 

Als visionär kann man die Überlegung Thonhausers zu Kinobestuhlung oder Gastro-Bestellung inklusive Service via App bezeichnen. Komfort ist für den Sitzbereich sicher ein wichtiges Thema der Zukunft, da gehe ich konform. Wobei ich mich zur "old school" zähle, in der Kurve und auf dem Stehplatz daheim bin und das weiterhin sein werde. Deshalb verstehe ich auch die Kritik der jüngeren Fans, die Fußball nicht als Nobelsport sehen. Ihnen sei gesagt, dass Fußball eben genau jene natürliche Mischung aller Alters-, Gesellschafts- und politischen Gruppen ausmacht, die trotz unterschiedlicher Herkunft, Haltung und Gesinnung gemeinsam ihren Verein unterstützen. Aber ein Dach über der Kurve oder  eine überdachte Hintertortribüne wünschen sich die Fans schon lange, die Realisierung dieses Wunsches würde viel Freude bereiten.

Bilder via krone.at

Israels Nationalteam war die Südstadt jedenfalls gut genug, um am vergangenen Dienstag dort ein Training vor dem Spiel gegen Österreich abzuhalten. Mit äußerst hohen Sicherheitsvorkehrungen, so fuhren etwa zwei Busse (einer davon leer) vor. Teamchef Andi Herzog zeigte seinem Team, wo er das Kicken gelernt hat. Genutzt hat’s nix, am Donnerstag schlugen die Rot-weiß-roten mit dem gleichen Scoreverlauf wie zuletzt Admira Wacker Israel mit 3:1. Das Spiel war nicht hochklassig, es gab viel Kritik. Ich meine jedoch, dass man ohne zu glänzen die Pflicht erfüllt hat, der Druck war auch nicht gerade gering – die Partie musste gewonnen werden, wenn man noch Chancen auf die EM-Quali haben wollte. Das Team hat jedenfalls Charakter und absoluten Willen gezeigt.

Österreich - Israel 3:1 (1:1)

 

Torschützen:

41' Lazaro

56' Hinteregger

88' Sabitzer


Sehr unerfreulich war die geringe BesucherInnenanzahl von nur 26 000. Die "Hurricanes" beanstandeten per Spruchband die ihrer Meinung zu hohen Eintrittspreise, was auch auf Unverständnis stieß. Da ja gerade in der Kurve C/D ermäßigte Tickets an die Fanclubs verteilt werden, so auch an die Südstadt Fanatics. Ich meine allerdings, dass die "Hurricanes" über den eigenen Tellerrand schauen, mit ihrer Kritik natürlich nicht ihre eigenen Tickets meinten. Aber € 32,- für die billigste Kurvenkarte (ohne FC), auf der Längssseite von € 44,- bis 66,- sind schon sehr stolze Preise. Dazu noch ein sehr familienunfreundlicher Wochentags- und Spätabendtermin, kombiniert mit kalter Temperatur und Live-TV-Übertragung ergeben dann geringen ZuschauerInnenzuspruch.

 

Von mancher Seite wird auch das Happel-Stadion selbst als Grund angeführt – zu unmodern sei die altehrwürdige Schüssel, es müsse unbedingt ein neues Nationalstadion her. Klar, die Laufbahn ist für Fußball störend, aber ich war in diesem Stadion schon in jedem Sektor als Zuseher und hatte immer beste Sicht aufs Spielfeld. Auch hier gilt, dass ich "old school" bin, keinen Komfort im Stadion brauche, mich freue, wenn ich vor eventuellem Regen geschützt bin. Mir geht es in erster Linie um die Beine, sprich das Fußballspiel, die Steine sind mir nicht so wichtig. Wohin die Reise gehen kann, zeigen schon viele Beispiele weltweit: beliebige, gesichtslose Shopping- Mehrzweck-Bauten, in die ein Stadion integriert ist. Natürlich kann das alles Vorteile haben, ich respektiere auch den Wunsch anderer ZuseherInnen nach mehr Komfort. Pläne bezüglich eines Nationalstadions gab und gibt es in Österreich – etwa Bruck an der Leitha oder Parndorf wurden genannt

 

Das ist meiner Meinung nach fast schon lächerlich, weil viel zu weit von der Hauptstadt und öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt. Sowohl NÖ als auch das Burgenland winkten bezüglich Förderungen ab, Wien ziert sich. Dass in diesem Punkt bereits in der Vorbereitung auf die EURO 2008 ein Neubau versäumt wurde, ist mittlerweile Legende. Wie auch der völlig unnötige Bau des schönsten Stadions des Landes in Klagenfurt, das politisch bedingt am falschen Ort steht. Es wird weiterhin interessant bleiben, die Entwicklung dieser Thematik zu beobachten. Klar ist jedenfalls, dass Upgrades der "Steine" für Bundesligaklubs Schwierigkeiten mit den "Beinen" – sprich der sportlichen Performance auf Grund der finanziellen Gewichtung in Richtung "Steine" nach sich ziehen – siehe Wiener Klubs.

Admira Wacker - SV Lafnitz 1:1 (1:1)

 

 


Die ebenso testeten wie Admira Wacker, das am Mittwoch den gesamten verfügbaren Kader für ein besseres Training gegen Lafnitz (1:1) auflaufen ließ. Am kommenden Samstag, den 19. Oktober um 17:00 Uhr steht dann die Auswärtspartie in Altach auf dem Programm. Die Vorarlberger sind den Südstädtern betreff "Steine" um einige Schritte voraus, bauten ihr Stadion sehr schön um. Wobei dort auch die öffentliche Hand ordentlich unterstützte, wie es überall in Österreich üblich ist. Nur nicht in NÖ, da wird Admira Wacker zu Gunsten des SKN außen vor gelassen. Man wird sehen, wer im "Duell der Beine" im "Ländle" die Oberhand (sic) behält. Die Admira Juniors treten am selben Tag als Vorletzter beim Letzten in Leobendorf (18:00 Uhr) an. Vorletzter deshalb weiterhin, weil sie am vergangenen Freitag mit 1:2 eine Niederlage gegen durch Profis verstärkte Mattersburger Amateure bezogen.

 

Am selben Abend schlug das österreichische U 21- Team die türkischen Alterskollegen in der EM-Quali mit 3:0. Der von Admira Wacker verliehene Lukas Malicsek spielte durch, Emanuel Aiwu wurde eingewechselt, Leonardo Lukacevic saß leicht verletzt auf der Ersatzbank. Ex-Admiraner Pippo Schmidt kam zu einem Kurzeinsatz. Mit drei Siegen geht es nun am Dienstag (20:45 Uhr) nach England. Morten Hjulmand kam beim 2:1-Sieg des dänischen U-21-Teams 70 Minuten zum Einsatz und tritt mit seinem Team heute um 18:00 Uhr in Finnland an.

Slowenien - Österreich 0:1 (0:1)

 

Torschütze:

21' Posch


Ebenfalls auswärts trat die Elf von Franco Foda am Sonntag an: Für Slowenien war es das Spiel der letzten Chance, Österreich hätte ein Remis genügt, um danach mit zwei Siegen in den ebensovielen verbleibenden Spielen die Qualifikation zu schaffen. In einer sehr kampfbetonten, rassigen ersten Halbzeit gingen die Gäste in Führung. Durch den Ex-Südstädter Stefan Posch, der das 0:1 nach Ecke per Kopf erzielte. Dabei blieb es auch im hart umkämpften zweiten Durchgang, Österreich hat mit diesem Sieg sehr gute Chancen auf die Qualifikation für die EURO. Dort könnten sie auf die bereits fix qualifizierten Teams von Polen, Italien, Belgien oder Russland treffen. Die beiden letzten Spiele in der Qualifikation finden am 16.11. in Wien gegen Nordmazedonien und am 19.11. in Lettland statt.

 

Forza Beine und Steine! Forza Südstadt Fanatics! Forza Admira Wacker! (ms)

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