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Ernst Baumeister

Mit großer Hoffnung und vor recht gut gefüllter Tribüne trat Admira Wackers U19 in der UEFA Youth League am vergangenen Dienstag zum Rückspiel gegen den RSC Anderlecht an. Die Stimmung war von Anfang an sehr gut, NKS und G2A gaben gemeinsam mit den Fanatics Gas für die Burschen. Die gegen die leicht überlegenen Belgier in Führung gingen, diese auch lange hielten. Das zweite Tor wollte aber einfach nicht gelingen, Anderlecht dominierte nach Seitenwechsel. Doch als der ärgste Druck vergangen war und die Südstädter wieder für Entlastung sorgen konnten, kam das späte Knockout mit dem Ausgleichstreffer in Minute 89. Auch verzweifelte Angriffe inklusive Tormann im gegnerischen Strafraum bei zwei Eckbällen in der Nachspielzeit brachten nichts mehr, Admira Wacker war nicht mehr international. Dementsprechend geknickt waren die Burschen von Csaba Szanto und Helmut Graf. Leider konnten sie knapp nicht in die Fußstapfen von Salzburg treten, deren Kampfmannschaft siegte am Donnerstag in der Europa League gegen Rosenborg Trondheim mit 3:0.

Admira Wacker RSC Anderlecht in der Youth League unterlegen Manuel Aiwu
Foto via www.weltfussball.at

Europacup spielte Ernst Baumeister ebenfalls, insgesamt 57 mal, brachte es sogar zu einem Finalspiel. Für Admira Wacker kickte er 4 mal europäisch, 77 mal in der Bundesliga (gesamt 414 mal). Der 8-fache Meister und 4-fache Cupsieger hatte mit Didi Kühbauer in der Saison 1988/89, also vor 30 Jahren, einen kongenialen Mannschaftskollegen – gemeinsam wurden sie mit Admira Wacker damals Liga- Zweiter. Das war die beste Platzierung der Südstädter seit Gründung der Bundesliga, ich selbst durfte zahlreichen großartigen Spielen mit dem 39-fachen Teamspieler Ernst Baumeister beiwohnen.

 

Der oben erwähnte Kollege ist nun Trainer in Wien 14, sein Team kassierte am Donnerstag eine 0:5 – Klatsche in Villarreal, nach dem 0:3 in Hartberg waren die Wiener tief in der Krise gelandet. Doch Gegner Admira Wacker kam gerade recht, sind sie doch bekannt dafür, Tote zum Leben erwecken zu können. Wie heuer bereits Altach, Sturm oder zuletzt den WAC. In einer Partie zum Wegschauen gingen die Hausherren nach schöner Südstädter Choreo (jetzt erst recht!) durchaus verdient in Führung. Den Ausgleich auf dem Fuß hatte lediglich Paintsil, er vergab aber die einzige Chance vor der Pause, wobei auch ein klarer Elfmeter für Admira Wacker nicht gepfiffen wurde. Die Höchststrafe erhielten die Gäste nach dem Wechsel, als sie etwas besser auftraten, aber auch nicht zielstrebig genug waren. Denn nicht nur eines, sondern gleich zwei Tore von Sonnleitner zu erhalten, ist sehr peinlich.

 

Das waren leider in dieser Saison schon zu viele Auftritte der Südstädter:

In den 15 Spielen wurde in 9 kein Treffer erzielt. 10 Tore waren es insgesamt, das letzte datiert vom 29. 9., seither gab es über 270 Minuten keinen Torjubel der Spieler und Fans. Der letzte Sieg gelang am 23.9. in Innsbruck, daheim ist es schon über ein halbes Jahr her, dass drei Punkte eingefahren werden konnten. In Summe ergibt das den 12. und letzten Platz. Damit wurden die allgemein gültigen Mechanismen im Fußball in Gang gesetzt und Trainer Ernst Baumeister von seiner Tätigkeit freigestellt. Ob es eine sinnvolle Aktion war, das zu tun, wird die Zukunft zeigen. Offensichtlich hatten die Vereinsverantwortlichen keine Geduld mehr mit dem so verdienstvollen Trainer.

 

Seine erste Tätigkeit als Teil-Verantwortlicher der Kampfmannschaft begann 2005, als Cheftrainer coachte der Wahl – Maria Enzersdorfer insgesamt 157 Spiele. Er machte (mehr als) den Strohmann für Oliver Lederer, gemeinsam wurden sie 2015/16 Vierter, qualifizierten sich für die EL. Nachdem Lederer danach auch offiziell Cheftrainer wurde, arbeitete Baumeister als Sportdirektor. In dieser Funktion war an der Entlassung Lederers mitbeteiligt, übernahm dann den Trainerposten bis zur Installierung von Damir Buric, dessen Nachfolger der 61-jährige im Vorjahr wieder wurde. Er führte Admira Wacker als Meisterschafts-Fünfter erneut in die EL, musste aber den massiven Aderlass im Sommer hinnehmen.

 

Trotz der sehr schwierigen Aufgabe blieb er Trainer, was ihm wie sein vielseitiges Engagement für den Klub sehr hoch anzurechnen ist. Etwa auch seine Kurzzeit-Tätigkeit bei den Juniors, die er aus der Krise holte. Die könnten ihn momentan wieder gebrauchen, verloren sie doch am Sonntag mit 1:2 gegen Mannersdorf. Wie auch immer, mit Ernst Baumeister wird nicht nur Admira Wacker, sondern der ganzen Liga ein großartiger Mensch, ein Original mit starken Sprüchen und ein toller Sportsmann fehlen. Die Zeit wird zeigen, ob seine Freistellung eine richtige Entscheidung der Vereinsführung war. Ich möchte an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Ernst Baumeister richten, der mein Fan-Dasein immer sehr bereicherte. Danke, Ernstl!

Neuer Admira Wacker Trainer Reiner Geyer
Foto: www.flyeralarmadmira.at

Mit Reiner Geyer wurde sein Nachfolger bereits bekannt gegeben (mehr dazu hier). Der 54-jährige Deutsche kommt von den Amateuren des 1. FC Nürnberg, dort leitete er auch die Nachwuchsabteilung. Er wird sein Team erstmals am Samstag gegen Hartberg (3. November 2018 um 17:00 Uhr, BSFZ Arena) coachen, die Juniors treten am Freitag (2. November 2018 um 19:30 Uhr) in Schwechat an.

 

Forza Ernst Baumeister! Forza Südstadt Fanatics! Forza Admira Wacker!

2 : 0

(1 : 0)

Sonnleitner 31', 62'

Sonntag, 28.10.2018

Tipico Bundesliga

Runde 12

Allianz Arena, Wien

Schiedsrichter: Alexander Harkam


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